Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die überlebenden Insassen des Konzentrationslager Auschwitz. Im Jahr 1996 wurde – auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog – der 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. In Krefeld richtet jedes Jahr eine andere Schule diesen Gedenktag aus. Dieses Jahr waren wir gemeinsam mit dem Arndt-Gymnasium an der Reihe.
Rundgang in zwei Schulen
Dank der intensiven Mitarbeit vieler Schülerinnen und Schüler sowie zahlreicher Lehrerinnen und Lehrer gelang ein sehr eindrucksvoller Gedenktag mit zahlreichen Projekten von hohem Niveau. Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8 und 9 hatten in einem Rundgang Gelegenheit, sich von diesen Projekten in einen Erinnerungsprozess hineinholen zu lassen.
Herr Hoffmann hatte hierfür mit seinem Kunstkurs eine Installation in der Gymnastikhalle aufgebaut. Altkleider auf dem Boden erinnerten daran, dass Juden bei ihrer Ankunft in den KZs ihr Hab und Gut abgeben mussten – eine beklemmende, aktualisierende Szene.
Angeleitet durch Herrn Fluß hatten einige Schülerinnen und Schüler Fotografien von Opfern solchen von Tätern gegenübergestellt und so einen Raum gestaltet, der die jugendlichen Besucherinnen und Besucher zu Gesprächen anregte.
Der Grundkurs Geschichte von Frau Spiekermann hatte sich mit dem Thema „Jugend-KZs“ beschäftigt und an Einzelschicksalen gezeigt, wie leicht und willkürlich auch Jugendliche dem schrecklichen Schicksal der KZ-Haft ausgesetzt wurden. 
Ebenso interessant waren die Plakatausstellung zum Thema „Erziehung im Nationalsozialismus“ des EW-Kurses von Frau Genneper sowie die Installation zum Roman „Der gelbe Vogel“, die Frau Witte mit ihrer Klasse entworfen hatte. Jugendbücher zum Thema Nationalsozialismus bildeten auch die Grundlage des Projektes von Frau Schultz, deren Schülerinnen und Schüler eine Lesung aus diesen Büchern veranstalteten.
Unter der Leitung von Herrn Happe, der auch für die Koordination des Projekttages zuständig war, hatte der Leistungskurs Geschichte der Jahrgangstufe 13 sich mit der Erinnerungskultur seit 1945 auseinandergesetzt. In einer Ausstellung zu diesem Thema wurden Umfrageergebnisse aus sechs Jahrzehnten sowie wichtige Reden und Kontroversen vorgestellt. Inhaltlich ging es dabei z.B. um die Wirkung der TV-Serie „Holocaust“, um die umstrittene Wehrmachtsausstellung oder um den Frankfurter Auschwitzprozess.
Dieser Prozess, in welchem 1963 Mitglieder der Lagemannschaft des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz angeklagt wurden, stand beim Projekt des Grundkurses Philosophie von Herrn Dr. Hoff im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler dieses Kurses hatten Szenen aus dem Stück „Die Ermittlung“ von Peter Weiss vertont, welches auf den Prozessakten beruht. Es erschütterten die Sachlichkeit des Prozesses und der krampfhafte Versuch seitens der Angeklagten, Schuld von sich zu weisen und sich der Verantwortung zu entziehen.
Im Rahmen des Austauschs mit unserer Partnerschule in Kattowitz besuchen jedes Jahr Schülerinnen und Schüler der Marienschulen auch die Gedenkstätten am Ort des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz. Zusammen mit Schülerinnen und Schüler, die in der Vergangenheit an dem Austausch teilgenommen haben, hatten Frau Bennertz und Frau Kürschner eine Ausstellung zusammengestellt, welche Eindrücke dieser Besuche wiedergab.

Einen Ort des Darüber-Reden-Könnens und einen Ort der Stille und des Gebets hatten Frau Kahles und Schulpastoralreferentin Frau Vratz in der Aula aufgebaut: Zwei Jurten, die Pfadfinder dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hatten, wurden so zu Räumen der Begegnung und Erinnerung. Viele Schülerinnen und Schüler nutzten diesen Ort, um Kerzen anzuzünden, Erinnerungssteine nach jüdischem Brauch auf symbolische Gräber zu legen und einen Gebetszettel in eine „Klagemauer“ zu stecken.
Auf dem Rundgang konnten auch die Präsentationen am Arndt-Gymnasium besichtigt werden, dessen Schülerinnen und Schüler umgekehrt die Marienschule besuchen und sich die beschriebenen Projektvorstellungen anschauen konnten.
Gedenkveranstaltung

Bei der anschließenden Gedenkveranstaltung in der Aula unserer Nachbarschule waren Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe eingeladen. Herr Neuenhofer betonte in seiner Rede, dass es ohne Erinnerung an die Vergangenheit keine Zukunft geben könne. Zwischen der Begrüßung durch Herrn Rosendahl, dem Schulleiter des Arndt-Gymnasiums, und der Rede des Oberbürgermeisters nahmen die Zuhörer jüdische Klänge, gespielt von Schülern und Lehrern, mit in eine Gedankenreise.
Sehr eindrucksvoll war auch die Balancestudie „Engelwärts“, die Frau Lauer mit den Schülerinnen ihres Gymnastikkurses einstudiert hatte: Ausdruck durch Körpersprache und Sprechgesang, zugleich schön und beklemmend, erschreckend und hoffnungsvoll.
Wir freuen uns, dass auch Eltern und einige Interessierte aus der Stadt zu uns gefunden haben, danken allen Beteiligten für ihr hohes Engagement und Interesse sowie die Bereitschaft, sich mit diesem schwierigen und bedrückenden Thema auseinanderzusetzen.
Wir denken über eine Möglichkeit nach, die Ausstellungsstücke und Ergebnisse der Projekte für alle Schülerinnen und Schüler noch einmal fruchtbar zu machen.


























